Eiszeiten

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass es Eiszeiten gegeben hatte, sogar mehrere. Die Milanković-Zyklen beschreiben die klimawirksamen astronomischen Umstände, nämlich die Überlagerung der verschiedenen Zyklen der Exzentrizität, der Erdachsenneigung, der Präzession, der Sonnenfleckenaktivitäten und Einflüsse der anderen Planeten. Mit diesen Zyklen kann man die Interglaziale während der Eizeiten erklären.

Während es im Laufe der Geschichte für eine Milliarde Jahre gar keine Eiszeit gab, häuften sie sich zu anderen Zeiten. So gab es mehrere Eiszeiten in der Zeit vor 800 – 550 Millionen Jahren (Cryogenium) und vor 350 – 250 Millionen Jahren (Karbon, Perm). Zur Zeit ist auch eine Eiszeit (Känozoisches Eiszeitalter), sie hat vor 33,5 Millionen Jahren begonnen.

Die großen Eiszeiten werden durch Effekte auf der Erde selbst hervorgerufen. Je nach Lage der Kontinente und je nach geologischer Aktivität verändern sich Meeres- und Luftströmungen und es bilden sich an den Polen Eiskappen oder auch nicht.

Innerhalb der Eiszeiten gibt es kältere (Glaziale, jeweils für 85.000 Jahre) und wärmere Phasen (Interglaziale, jeweils für 15.000 Jahre). Wir befinden uns in einem Interglazial, das vor 10.000 Jahren begonnen hat und noch 5.000 Jahre andauern wird. Solche Interglaziale gab es in dieser Eiszeit schon viele, sie beginnen seit 700.000 Jahren regelmäßig alle 100.000 Jahre. Am Ende des jetzigen Interglazials, also im Jahr 7000, werden die Temperaturen um 15 Grad fallen. Dann wird es in der Sahara wieder regnen und die nördlichen und südlichen Länder werden vergletschern, so wie vor diesem Interglazial. Damals vor 15.000 Jahren war das Eis erheblich dicker und der Meeresspiegel um 120 Meter niedriger als zurzeit. Die Gletscher von Norden reichten bis Dänemark und die Alpengletscher bis Mitteldeutschland. Skandinavien lag unter einer 4 km dicken Eisschicht. Die Nordsee, soweit nicht unter Eis, lag trocken und war besiedelt. Man konnte den Ärmelkanal und die Beringstraße durchwandern.

 

Neben den durch die Milanković-Zyklen beschriebenen Änderungen der Durchschnittstemperatur gab und gibt es auch kleinere Schwankungen, die von der Sonnenfleckenanzahl hervorgerufen werden. Vor 600 Jahren wurde es weltweit um etwa 3 Grad kühler, seit 200 Jahren steigen die Temperaturen wieder auf die Werte von vor 1400 an.

Sollte aber die seit 33,5 Millionen Jahren andauernde Eiszeit irgendwann insgesamt zu Ende gehen, werden die Durchschnittstemperatur um etwa 20 Grad und der Meeresspiegel um 80 Meter steigen. Niemand weiß, wann genau das passiert, nur, dass es irgendwann geschehen wird. Alles hängt von der Kontinentalplattendrift und von den Meeresströmungen ab.

Der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre folgt der Temperatur mit einem Versatz von 600 Jahren. Der Grund ist, dass die Kohlendioxidlöslichkeit im Meerwasser mit steigender Temperatur abnimmt und so das im Meerwasser gelöste Kohlendioxid ausgast. In Warmzeiten ist die Konzentration recht hoch, zum Beispiel 1700 ppm in der Kreidezeit, in Eiszeiten wie der jetzigen liegt sie deutlich niedriger. Während der vergangenen 800.000 Jahre variierten die CO2-Konzentrationen zwischen 180 und 210 ppm während der Glaziale und stiegen auf Werte zwischen 280 und 300 ppm in den wärmeren Interglazialen. Der menschengemachte Beitrag zur Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre durch Nutzung fossiler Brennstoffe ist gering und liegt im einstelligen Prozentbereich bei etwa 3,5 %.

Was genau die Folgen der menschengemachten Kohlendioxydemmissionen sind, kann naturwissenschaftlich seriös niemand sagen, dazu sind die Vorgänge zu komplex und zu wenig verstanden. Bemühungen zur Reduzierung der menschengemachten Kohlendioxid-Emissionen eröffnen jedenfalls neue Verdienstmöglichkeiten und wissenschaftliche Bemühungen, die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur entsprechend vorherzusagen, werden finanziell gefördert.

Quelle u. a. Samuel Kroonenberg: Der lange Zyklus

Siehe auch http://www.rainer-olzem.de/kroonenberg.html