Ewiges Leben

Das Leben ist ein Wunder. Niemand kann erklären, was Leben eigentlich ist und wie es in die Welt kam. Aber es ist offensichtlich da, in vielfältiger Ausprägung. Und es entwickelt sich zu immer höherer Komplexität. Soweit wir wissen, entsteht Leben immer nur aus Lebendigem, woraus folgen würde, dass Leben keinen Anfang hat. Kann etwas, was keinen Anfang hat, ein Ende haben?

Wer sehen, dass jedes komplexe Lebewesen nach einiger Zeit stirbt. Und es werden laufend neue Lebewesen geboren.

Wenn wir vom ewigen Leben sprechen, so meinen wir in aller Regel unser persönliches ewiges Leben. Wir meinen unsere metaphysische Unsterblichkeit oder Auferstehung oder Wiedergeburt. Das ist, woran wir glauben möchten, wenn wir am Leben hängen. Dass unser persönliches Leben eines Tages einfach so endgültig zu Ende sein soll, das wollen wir nicht wahrhaben.

Dass die Atome, die unseren Körper bilden, nach unserem Ableben irgendwann wieder Teile anderer Lebewesen sind, ist nicht wirklich tröstlich. Und die Vorstellung vom Aufgehen der Seele im All-Einen fühlt sich auch nur dann irgendwie gut an, wenn wir die beglückende Erfahrung der völligen Verbundenheit schon gemacht haben, was eher selten vorkommt.

Und so glauben wir gern an unser persönliches Weiterleben. Aber je konkreter unsere Vorstellungen vom individuellen Leben nach dem Tode werden, desto unlogischer und unmöglicher werden sie auch.

Einen großen Anteil an unserer Identität haben unsere Körper und unsere Erinnerungen. Ganz wichtig sind auch unsere Beziehungen, unsere Aufgaben, unser Ansehen und unsere Besitztümer. Die Pyramiden-Grabkammern zeugen davon.

Wie ist das im Jenseits / im Himmel / nach unserer Auferstehung: Haben wir dort einen Körper? Falls ja, wie alt ist er dort und wie steht es um unsere Gesundheit? Was besitzen wir? Wie interagieren wir mit unseren Liebsten im Himmel? Wie alt sind sie, über welche Körper und Besitztümer verfügen sie? Woran erinnern sie sich? In welchem Kontext leben sie? Sind alte Meinungsverschiedenheiten vergessen? Falls ja: Sind die Personen dann überhaupt noch sie selbst? Gibt es Handlungsmöglichkeiten unabhängig vom Kontext? Kann es ewige Harmonie und ewiges Glück geben? Können Glück, Harmonie und Zufriedenheit überhaupt wahrgenommen werden, wenn es gar nichts anderes mehr gibt? Was ist mit denen, die schon zu ihren Lebzeiten ihre Erinnerungen verloren haben? Was ist mit den Menschen, von denen wir uns längst abgewendet haben? Falls wir uns post mortem die Gerechtigkeit erhoffen, die uns unserer Meinung nach hier nicht zuteil wird: Wie soll das gehen? Wiedergutmachung? Vergeltung?

Glaube an Wiedergeburt im Kreislauf des Lebens hilft auch nicht weiter, weil noch niemand Erinnerungen aus seinen Vorleben bei seiner Wiedergeburt mitgebracht hat. Da werden offensichtlich nur neue Menschen in neuen Körpern geboren. Möglich ist bestenfalls, dass sie wiedergeborene Seelen sind, die, allerdings ohne konkrete Erinnerungen, irgendwie von Erfahrungen in früheren Leben profitieren (Karma), dass sich so vielleicht auch die von vielen als höchst ungerecht empfundenen unterschiedlichen Ausstattungen wie Aussehen, Stärke, Klugheit, Elternhaus usw. erklären.