Wissen

Wissen existiert an verschiedenen Orten und ist unterschiedlich nützlich. Hinsichtlich seiner Bedeutung für den einzelnen Menschen gibt es 4 Formen des Wissens.

  1. Da ist zunächst das kulturelle Wissen, das sich ein jeder potentiell erwerben kann, wenn er Zugriff auf die kulturellen Wissensspeicher hat. Dazu zählen die Mitmenschen, die institutionellen Bildungseinrichtungen, die Bibliotheken und seit etwa 20 Jahren das Internet.
  2. Die nächste Stufe des Wissens ist das passive Wissen, das ein Mensch zwar erworben hat, auf das er jedoch willentlich nicht zugreifen kann. Er kann es lediglich wiedererkennen, wenn er darauf stößt.
  3. Die nächsthöhere Stufe des Wissens ist das aktive Wissen, es ist per Willensakt aus dem Gedächtnis abrufbar.
  4. Die höchste Stufe und damit das wertvollste Wissen ist das gelebte Wissen, das auch ohne bewussten Willensakt bei allen Handlungen automatisch zur Anwendung kommt.

Kulturelles Wissen wird erst durch Erlernen und Verständnis nutzbar, passives Wissen ist beinahe wertlos, aktives nur bedingt von Nutzen. Ziel sollte es sein, dass die wesentlichen Zusammenhänge gelebtes, integriertes, handlungsbestimmendes Wissen werden.

Lernen bedeutet, Wissen auf eine höhere Stufe zu heben.

Um sich kulturelles Wissen zu erschließen, bedarf einiger grundlegender Fähigkeiten. Notwendige Voraussetzungen sind, neben den üblichen menschlichen Anlagen, als Kleinkind eine Sprache verstehen und sprechen zu lernen, als Grundschulkind diese Sprache souverän lesen und schreiben zu lernen und auch den sicheren Umgang mit Zahlen. Versagt hier die Schule, sind die Eltern gefragt, was zusammen mit den Folgen schlechter Bildungspolitik die große Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus erklärt.

Es ist ein großer Unterschied, ob man über etwas geredet oder etwas gemacht hat. Um etwas wirklich zu können, muss es so lange geübt werden, bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Beim Erlernen einer sportlichen Disziplin oder eines Musikinstruments ist dies auch heute noch selbstverständlich, in den Schulen leider nicht mehr.

Die meisten Unterrichtsinhalte schaffen es heute bestenfalls auf Stufe 3, das meiste ist nach wenigen Wochen schon wieder auf Stufe 2. Eine gute Schule würde weniger lehren, das dann aber so nachhaltig, dass das Wissen bei den Schülern mindestens die Stufe 3 erreicht, und zwar so, dass es dort nicht nur für die Klassenarbeit, sondern auch noch Jahre später verfügbar ist.

Das kulturelle Wissen ist zu groß, als dass es ein Mensch fassen könnte. Universalgelehrte gibt es schon lange nicht mehr. Arbeitsteilung, hier Wissensteilung, ist notwendig. Aber nicht zu früh! Spezialwissen macht erst Sinn, wenn es ein solides Fundament gibt. Es kommt deshalb sinnvollerweise erst während der Berufsausbildung, im Studium und im Beruf selbst hinzu und orientiert sich an Neigung, Eignung und gesellschaftlichem Bedarf.