Religion

Religion ist das Bedürfnis eines jeden Menschen nach einem Orientierungsrahmen und einem Objekt der Hingabe, um der Angst (Drewermann), der Unausweichlichkeit des begrenzten Daseins (Fromm 1950) und dem Dilemma der Vaterbeziehung (Freud 1913) zu begegnen. Religion und Glaube verleihen dem Menschen Flügel. Glaube versetzt Berge, inspiriert und motiviert. Dabei spielt es keine Rolle, wie realistisch und vernünftig dieser Glaube ist – im Gegenteil. Es ist nicht wichtig, woran man glaubt, wichtig ist nur, dass man an irgend etwas glaubt.

 

Eine Möglichkeit des Umgangs mit dieser Sehnsucht ist die Hingabe an das Leben selbst und die persönliche Orientierung an Tugenden, die es lebenswert machen. Hilfreich ist es, sich durch die großartige Natur inspirieren zu lassen, durch Gespräche, Feiern, Kunst, Musik und besinnliche Stille. Man findet Inspiration, Kraft und Frieden durch unterstützende Beziehungen und durch Befreiung von vermeintlichen Zwängen und Vorstellungen. Es geht um Erkenntnis. Die Natur ist freundliches Zuhause. Entsprechende Religionen sind erfahrbar und lebensbejahend.

Das dringende Bedürfnis, an etwas zu glauben, kann aber auch missbraucht und durch die strenge Einbindung in eine autoritär geführte Gruppe bedient werden. Das Objekt der Hingabe kann ein Führer, ein Ahne oder ein Symbol sein. Der Orientierungsrahmen kann aus autoritären Gesetzen, Moralvorstellungen und archaischen Ritualen bestehen. Priester verheißen das Heil durch Vernichtung des Bösen und durch Kontrolle der Menschen. Es geht um Gehorsam. Die Natur und alles Weibliche sollen überwunden und beherrscht werden. Die Regeln ist dogmatisch und lebensfeindlich.

Die autoritäre Heilslehre

  • propagiert willkürliche Offenbarungen und Gebote zum Vorteil einer Gruppe.
  • fördert unrealistisches Wunschdenken und Allmachtsphantasien mit Gott als mächtigem Verbündeten.
  • liefert identitätsstiftende Abgrenzung von Anderen, Feindbilder und Sündenböcke, Überlegenheitsgefühle Ungläubigen gegenüber, Sexismus und Rassismus
  • ist Rechtfertigung für Unterdrückung, Denk- und Meinungsverbote, Verfolgung und Missbrauch von Ungläubigen, Frauen, Kindern und Wehrlosen, für Terroranschläge und Genozide.
  • fordert und fördert Unterwürfigkeit und die Abgabe von Verantwortung.
  • verwirrt und verängstigt die Menschen und macht ihnen ein schlechtes Gewissen.
  • macht seelisch abhängig und krank.

Leider widersteht kaum ein Staat der Versuchung, autoritäre Heilslehren zu verkünden, denn zu verlockend sind die damit verbundenen Möglichkeiten der Herrschaftsausübung. Und rufen die meisten Menschen nicht geradezu danach?