Zivilisation

Der Mensch hat sich wie alle Lebewesen aus einfachen Lebensformen entwickelt. Menschen hatten noch vor 7 Millionen Jahren mit den heutigen Bonobos  gemeinsame Vorfahren.

Alle heute lebenden Menschen scheinen aus einer kleinen Gruppe von einigen 100 Menschen hervorgegangen zu sein, die sich von Ostafrika aus über die ganze Welt verbreitet hat. Die Vorläufer der heutigen Menschen haben womöglich einige Jahrhunderttausende ihrer Entwicklung in der ökologischen Nische eines Sumpfgebietes verbracht, wo sie den aufrechten Gang, eine Fettschicht unter der Haut und die besondere nach unten offene Form der Nase entwickelten und ihre dichte Behaarung weitgehend verloren.

Im Laufe der Zeit kamen Menschen auf Ideen, die zunächst durch Bilder und Erzählungen, später durch Schrift tradiert wurden (Kultur) und schließlich zu unserer heutigen technikbasierten Zivilisation führten. Der Weg der Menschheit in die Zivilisation erfolgte schrittweise und stützt sich auf materiellen Überfluss, der Arbeitsteilung ermöglichte. Wesentliche Meilensteine waren

  1. die Nutzung von Stein und Holz zur Herstellung von Werkzeugen,
  2. die Nutzung des Feuers zur Nahrungszubereitung und zum Wärmen (>800.000 Jahre),
  3. der Ackerbau mit Nutzpflanzen wie der Gerste  (>12.000 Jahre) und dem Weizen, der Vorratshaltung und dadurch Sesshaftigkeit ermöglichte (einige Völker wie die Inuit oder die Massai betreiben bis heute keinen Ackerbau ),
  4. die Nutztierhaltung, wo neben Schaf, Ziege (Milch, Fleisch, Kleidung) und Hund (Jagdhelfer) besonders auch die großen Arbeitstiere wie Rinder (>9.000 Jahre) und Pferde (>6.000 Jahre) domestiziert wurden, welche die schwere Arbeit beim Ackerbau  unterstützten und so die Ernte vervielfachten.
  5. Die Erfindung der Schrift (>6000 Jahre).

Diese Entwicklungen gingen einher mit einer geistig-seelischen Entwicklung vom animistischen oder magischen über das religiöse zum wissenschaftlichen Weltbild (nach S. Freud, Totem und Tabu), wobei die Übergänge fließend sind und bis heute von jedem Individuum unterschiedlich weit nachvollzogen werden. Der Mensch denkt sich seine Welt (Animismus und Magie), projiziert sie auf die äußere Welt (Sündenfall, Patriarchat, dogmatische Religion) und gleicht seine Vorstellungen zunehmend mit der Außenwelt ab (wissenschaftliche Neugier, Erkenntnis, Aufklärung). Von besonderer Bedeutung dabei ist die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit.

Die Freistellung eines Teils der Gruppe vom Nahrungserwerb brachte Handwerker, Ingenieure, Beamte, Krieger und Händler hervor, die in immer schnellerer Folge weitere Meilensteine der kulturellen Evolution setzten, wie

  1. die Nutzung von Eisen (>2.500 Jahre),
  2. die Entwicklung von Seefeuer und dann von Schwarzpulver (>1.300 Jahre), welches den Bergbau stark beschleunigte,
  3. die Erfindung der Dampfmaschine (>300 Jahre) und der groß angelegte Kohle-Abbau, beides zusammen führte zur Industrialisierung, zur Nutzung von Eisen und Stahl in großem Stil und zur Eisenbahn,
  4. die Erfindungen zur technischen Nutzung der Elektrizität (>150 Jahre), wodurch der stetige Transport variabel nutzbarer Energie zu fast jedem Ort möglich wurde,
  5. die Erfindung der Verbrennungsmaschinen (>140 Jahre) und die groß angelegte Erdölförderung, was Kraftfahrzeuge und Flugzeuge sowie schnellere Schiffe und Eisenbahnen ermöglichte,
  6. die Nutzung der Sulfonamide (ab 1910) und der Penicilline (ab 1940),
  7. die Erfindung des Transistors (1925, 1934, 1945), aus dem später integrierte Schaltkreise, Speichertechniken und Mikroprozessoren hervorgehen,
  8. die grüne Revolution (1960), die ein enormes Bevölkerungswachstum ermöglichte,
  9. das World Wide Web (1989, 1993).

Heute sind diese Dinge für fast alle Menschen selbstverständlich, obwohl die meisten sie nicht wirklich verstehen. Das hält sie aber nicht davon ab, sie zu nutzen und als ihre eigenen Errungenschaften und Leistungen anzusehen.

Obwohl so vieles automatisiert wurde und in entwickelten Ländern nur noch wenige Menschen in der Produktion arbeiten (in den Niederlanden arbeiten 1% der Menschen in der Landwirtschaft, in Tansania 75%) , ist die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Menschen nicht entsprechend zurückgegangen. Das liegt daran, dass eine Vielzahl neuer Beschäftigungsbereiche geschaffen wurde, die es vor der Industrialisierung kaum oder gar nicht gab: Marketing, Verwaltung jeder Kleinigkeit, Bildung, Sozialarbeit, Gesundheitswesen, Pflege, Rechtswesen, Versicherungen, Investment, Tourismus, Freizeit u.a.m.

Die materiellen Grundlagen unserer Zivilisation aber sind recht fragil, denn

  • die Grundlage unserer Versorgung sind hochgradige Arbeitsteilung und eine hochkomplizierte Technik, die völlig von der leicht verletzbaren Energieversorgung abhängt.
  • bereits nach einer Woche großflächigem Stromausfall bricht ohne Hilfe von außen die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser u. v. m. zusammen und es dauert nicht lange, bis die Menschen beginnen, um die knappen verfügbaren Ressourcen zu kämpfen, was die meisten nicht überleben werden.

So oder so sind die über viele  Millionen von Jahren von der Natur aufgebauten fossilen Energieträger in wenigen Jahrzehnten verbraucht. Wenn es im Bereich der Energietechnik bis dahin keinen Durchbruch in Sachen Fusionsenergie oder Stromspeicher gibt, geht der Zivilisation in einigen Jahrzehnten die Energie aus, was dann ihr Ende sein wird. Nur in kleinen privilegierte Gruppen wird sie überleben.