Bildung

Menschen lernen aus Neugier, Freude, Interesse, Engagement, um Ziele zu erreichen, oder weil sie hoffen, belohnt zu werden, weil sie sonst Nachteile befürchten, weil sie jemandem gefallen möchten.

Alle Kinder bringen zwei Gaben mit auf die Welt: Die Neugier und die Phantasie.

Während die einen, durch Erfolgserlebnisse motiviert, schon in jüngeren Jahren langfristige Ziele verfolgen und Durststrecken wegstecken können, leben andere noch mit 20 Jahren in den Tag hinein und sind zu kaum einer Anstrengung fähig, die sich nicht noch am selben Tag auszahlt.

Die Freude am Lernen hängt ab vom persönlichen Erfolg durch Lernen. Diesen Erfolg können Eltern fördern, indem sie dem Kind Geduld entgegenbringen, während es sich, vielleicht zunächst noch ungeschickt, um den Erfolg bemüht. Kinder möchten auf eigenen Beinen stehen und es hilft ihnen nicht, wenn man ihnen alles abnimmt.

Hilf mir, es selbst zu tun. (Maria Montessori)

Die Eltern, denen in Sachen Erziehung und Lernen (Vermittlung kulturellen Wissens und kultureller Werte) eine Schlüsselrolle zukommt, nehmen diese nicht immer war. Die einen verwöhnen ihre Kinder materiell und muten ihnen kaum etwas zu, andere überfordern sie durch oberflächlichen Aktionismus. Wieder andere beschäftigen sie mit Filmen und Computerspielen, die sie nur konsumieren oder auf die sie nur reagieren.

So sind die Kinder schon mit 3 Jahren sehr unterschiedlich selbstständig und lernbegeistert. Sie können assoziieren und reagieren, aber kaum gestalten und verstehen. Da beim Lernen alles aufeinander aufbaut, sind diese Unterschiede dann kaum noch wettzumachen und verstärken sich im Laufe der Kindergarten- und Schulzeit.

Der Anteil der „Kinder mit Förderbedarf“ in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Sprechen und Lernen nimmt von Jahr zu Jahr zu.

 

Politiker setzen in Sachen Bildung immer mehr auf oberflächliche Maßnahmen, die der Sache nicht wirklich dienen. Sie zerschlagen gewachsene Strukturen und kommerzialisieren das Bildungswesen, denn sie glauben den Heilsversprechen der Industrie und ihren Stiftungen.

In einigen Jahrzehnten werden wir nur noch einen geringen Prozentsatz gebildeter, selbständig denkender, psychisch gesunder Menschen haben, den vielen verliehenen Abschlüssen und Zertifikaten zum Trotz.

Elternhaus und Kindergarten

Die Entwicklung zeigt sich schon daran, dass manche Kinder bereits im Kindergarten deutliche Sprach- und Handlungsdefizite haben. Außerdem fehlt es ihnen oft an sozialen Kompetenzen, weil man sich viel zu wenig ernsthaft mit ihnen beschäftigt, in ihnen keine Empathie gefördert, ihre Erfahrungsräume virtualisiert und verarmt, kaum Sozialverhalten eingeübt und keine klaren Regeln beigebracht hat.

Kleinstkinder brauchen verlässliche Bindung und ein geschütztes, überschaubares Umfeld. Sie brauchen verlässliche Rhythmen und Strukturen. Sie brauchen echte Erfahrungen mit realen Gegenständen und Lebewesen. Erst im Alter von 3 Jahren sind sie fähig, in größeren Gruppen so zu interagieren, dass sie davon profitieren. Dennoch werden Eltern öffentlich ermuntert, ihre Kleinstkinder immer früher in eine Sammel-Einrichtung zu geben, in der sie dann, weil noch zu jung und unerfahren, völlig überfordert sind. Immer mehr Verantwortung für die Kleinkinder wird auf Betreuungspersonen abgeschoben, die sich bei den üblichen Personalschlüsseln (auf eine Erzieherin kommen zeitweise bis zu 22 Kleinkinder) nicht um alle diese Dinge bei jedem einzelnen Kind in der notwendigen Ausführlichkeit kümmern können. Dennoch werden die Eltern ermutigt oder gar gedrängt, ihre Kleinstkinder früh abzugeben und arbeiten zu gehen. Durch massive staatliche Propaganda haben die meisten Mütter heute keine Bedenken mehr, ihre Kleinstkinder sehr früh in die personell unterbesetzten staatlichen Erziehungseinrichtungen zu geben. Man hat ihnen weisgemacht, dass ihre wahre Erfüllung einzig in beruflicher Tätigkeit liegt. Man hat sie überzeugt, dass eine Person sieben Kleinstkinder gleichzeitig gut versorgen kann.

Wer aufgrund von Berufstätigkeit seine Kleinstkinder nicht selbst versorgen kann oder möchte, braucht eine wenigstens halbwegs gleichwertige Ersatzbetreuung. Dies kann eine im Haushalt lebende Kinderfrau (Nanny) sein, oder auch eine Einrichtung, in der es feste Bezugspersonen und Räume für jeweils maximal drei Kleinstkinder gibt.

Schule früher und heute

Schule funktionierte früher besser als heute, weil ihre Methoden noch auf der Erkenntnis fußten, dass Übung den Meister macht, dass Belohnung, Anerkennung und Kritik von vertrauten und geachteten Personen zu Leistungen motivieren. Auch waren sie bei der Einschulung schulreif, sie verfügten mit 6 Jahren bereits überreichhaltige Erfahrungen, an die sie anknüpfen konnten. Lernen und Verständnis erfordern Beständigkeit, Konzentration und Fleiß, dafür sind ablenkungsfreie Räume nötig. Die Schule soll heute Spaß machen. Früher hatten Schüler auch Freude in der der Schule, allerdings am Lernerfolg und nicht an der Lernablenkung. Da hat man mehr Leistung vom Schüler eingefordert und strenger darauf geachtet, dass der Schüler nicht mogelt. Heute ist Mogeln ein allseits beliebtes Gesellschaftsspiel geworden. „Der Ehrliche ist der Dumme“, so ein bekannter Buchtitel, „Sei schlau und stell Dich dumm“ ein anderer. In Computerspielen ist Mogeln (cheating) Teil des Spiels. Hauptsache, man erreicht schnell das Ziel.

Immer mehr junge Menschen haben trotz ausgewiesener Fachoberschulreife, Fachhochschulreife und sogar allgemeiner Hochschulreife gravierende Schwächen in der  Rechtschreibung, beim Kopfrechnen, Textverständnis und bei der Textwiedergabe, bei der Prozentrechnung und beim Dreisatz. Sie können kaum richtig nachdenken, es fehlt ihnen an Verständnis und am Blick für das Wesentliche. Als bräuchte man das alles im Computerzeitalter nicht mehr zu beherrschen! Doch was nutzt der Computer, wenn man ihn nicht bedienen kann? Was nutzt der Taschenrechner, wenn man der Anzeige blind vertrauen muss, weil man das Ergebnis nicht abschätzen kann?

Noten und Abschlüsse sind immer wichtiger geworden, das nachhaltige Lernen selbst immer unwichtiger. Schüler beschäftigen sich weniger mit den Unterrichtsinhalten selbst, sondern vielmehr damit, wie sie möglichst mühelos eine gute Note und einen guten Abschluss erreichen. Da man ihnen das durchgehen lässt, haben sie nach Jahren in der Schule ein erstaunliches Repertoire an Leistungs- und Lern- Vermeidungsstrategien entwickelt. Im Unterricht wird viel darüber geredet, wie man etwas tun müsste, aber wenig getan. Aufgaben werden nicht als Lern-Hilfsmittel begriffen, sondern als lästige Zumutung, die man möglichst ohne Aufwand entweder mit Hilfe des Lehrers (eine Neigung zum Helfen ist bei Lehrern durchaus verbreitet und die Einstellung „Sei schlau und stell dich dumm“ bei den Schülern), der Mitschüler (Teamarbeit ist schließlich fortschrittlich) oder des Computers (Google und Copy-Paste) hinter sich bringt. Wenn es mal eng wird, ist man halt krank. Ein immer größerer Anteil von Schülern ist in ärztlicher Dauerbehandlung, ein Attest ist schnell und einfach besorgt. Sobald die Note da ist, ist das Thema dann sowieso abgehakt.

Nicht, dass es für die Schüler heute einfacher wäre. Auch ist es nicht ihre Schuld, dass sie nicht mehr richtig lernen. Das Problem sind Maschinen, die ihnen das Selbertun abnehmen und verleiden und die der Quantität geopferte Qualität der Bildung.

Erzieherinnen und Lehrer sind mit völlig überzogenen Erwartungen und gleichzeitig mit mangelnder Unterstützung seitens der Politiker und Eltern konfrontiert. Sie können Kinder/Jugendliche nur noch schwer zu Leistungen und Disziplin motivieren, da diese nicht daran gewöhnt sind und weil sie kaum ehrliche Erfolge haben. Immer mehr Kinder kommen auch in der Schule aus der gewohnten Konsumentenrolle nicht mehr heraus. Es ist schwer für Lehrer, ihren Unterricht auch nur annähernd so attraktiv zu gestalten wie die Unterhaltungsindustrie ihre allgegenwärtigen Filme, Serien und Spiele.

Viele Eltern und inzwischen auch immer mehr Lehrer nehmen jede Ausrede und jedes Ausweichen des Kindes/Jugendlichen hin. „Der Kunde ist König“, das hört man im Lehrerzimmer immer häufiger, als betriebe man ein Restaurant oder ein Wellness-Hotel. Ist der Service (also die Benotung) schlecht, gibt es Beschwerden nicht etwa beim Schüler, sondern beim Lehrer. Es gibt Lehrer, die den Schülern in gut gemeinter Absicht hinterherlaufen wie Verkäufer den Touristen auf dem Basar. Leider werden sie so von den Schülern nicht gerade als Vorbilder wahrgenommen, denen sie nacheifern möchten und für die es sich lohnt, sich anzustrengen.

Dass sich diese Missstände nicht in immer schlechteren Noten und Abschlusszahlen zeigen, liegt nur an der politischen Vorgabe ständig sinkender Leistungsanforderungen.

Die Themen Inklusion und Gesamtschule sind sinnloser ideologischer Streit auf Kosten unserer Kinder. Sie sind Stellvertreterthemen für ein viel wichtigeres, nämlich das der Ungleichheit bei Gehältern und Vermögen. Wie passen Inklusion und Gleichmacherei in der Schule und mit strengen Hierarchien und krass unterschiedlichen Gehältern im Arbeitsleben zusammen?

So wünschenswert, sinnvoll , machbar und überfällig die Inklusion von körperbehinderten Kindern ist, um Berührungsängste abzubauen und diese Menschen teilhaben zu lassen, so kontraproduktiv ist die Inklusion der lernschwachen und verhaltensauffälligen Kinder, heute sehr modern als „Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Lernen und Sprache“ bezeichnet. Sie machen drei Viertel der Förderbedürftigen aus. Ihre Inklusion führt dazu, dass es bald in jeder Lerngruppe fortwährend Störungen gibt, die das Lernen der ganzen Gruppe erheblich behindern. So erreicht man vor allem eines, nämlich dass alle Schüler schlechter gefördert werden.

Bildungsferne, sprachlich, sozial und emotional bisher eher schlecht geförderte Schüler profitieren nicht von besseren Mitschülern. Sie werden durch sie noch mehr demotiviert oder finden in ihnen bestenfalls wehrlose Opfer für ihre „Späße“.

Lernwillige und ihrem Alter entsprechend reife Schüler werden durch lernbehinderte, sprachlich, sozial und emotional unreife Schüler in der Klasse durch fortwährende Störungen des Unterrichts am Lernen gehindert.

Computer für Schüler im Unterricht sind – abgesehen von Ausnahmen wie dem Erlernen des Umgangs mit einem Anwendungsprogramm (CAD, Buchhaltung, Textverarbeitung, usw.) oder der Ausbildung von IT-Fachkräften – völlig kontraproduktiv. Computer lenken ab und demotivieren. Sie wurden einst geschaffen, um den Menschen arbeitsintensive Routineaufgaben abzunehmen. Lernen aber ist selbstständiges wiederholtes Üben, dass man nicht an Computer delegieren kann, wenn man denn lernen will. Computer sind für Schüler heute in erster Linie Spiel- und Kommunikationsgeräte. Als Lernhilfe taugen sie nur für Menschen, die bereits über eine solide Grundbildung verfügen und von sich aus zum Lernen motiviert sind.

Einige alte Weisheiten zum Thema

  • Was man jung gelernt, das bleibt.
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
  • Sinnvoll beschäftigte Kinder sind liebe Kinder.
  • Ohne Fleiß keinen Preis.
  • Übung macht den Meister.
  • Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
  • Von nichts kommt nichts.
  • Man erntet, was man sät.
  • Wer nichts weiß, muss alles glauben.
  • Das Wissen um etwas ist noch lange nicht das Handeln danach.
  • Lernen, ohne zu denken ist verschwendete Zeit. Denken, ohne zu lernen, ist gefährlich. (Konfuzius 2:15)
  • Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man große Vorhaben zum Scheitern (Konfuzius 15:26)

Einige neuere wissenschaftliche Erkenntnisse

  • Bewegung unterstützt das Lernen. Erst kommt die Bewegung, dann das Denken.
  • Abstraktes Denken setzt konkrete Erfahrungen voraus.
  • Lernen heißt: Spuren im Gehirn legen, in Neuronen einprägen, wodurch diese sichtbar verändern: Lernen ist auch ein physischer Prozess, mit Zeitfenstern für das Erlernen bestimmter grundlegender Fähigkeiten. Wer keine Regale hat, kann nichts einsortieren.
  • Die Lernfähigkeit ist zu Beginn des Lebens am größten.
  • Lernprozesse bauen aufeinander auf.
  • Langjährige Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln sind nur mit viel Mühe zu ändern.
  • Der Lernerfolg nimmt zu mit der Anzahl der Wiederholungen, der Bedeutung, dem emotionalen Gewicht und der Menge an Assoziationen.
  • Wer irgendein persönliches Ziel (etwas zu wissen, zu können oder zu haben) engagiert verfolgt, lernt insgesamt besser.
  • Wer Erfolge hat, lernt engagierter: Erfolg beim Lernen macht glücklich.
  • Wem etwas zugetraut wird, der schafft mehr.
  • Wer sich Mühe gibt, der wird besser.
  • Bloßes Konsumieren hinterlässt nur flüchtige Spuren.
  • Musizieren fördert allgemein die Lernfähigkeit.
  • Im Schlaf wird über Tag Gelerntes geordnet, verknüpft und so nachhaltig gespeichert. Anders gesagt: Schlafmangel verhindert nachhaltiges Lernen.
  • Zuviel Fernsehen und Computer machen sprachlos und unbeweglich und beeinträchtigen die körperliche, emotionale und geistige Entwicklung von Kindern unter 10 Jahren erheblich, völlig unabhängig vom gezeigten Inhalt.
  • Mit Bildschirmen beschäftige kleine Kinder vernachlässigen Erfahrungen in der realen Welt der Personen und Dinge, verlieren ihre Kreativität und entwickeln ihre sozialen Kompetenzen nicht.