Standpunkte

Es hängt vom jeweiligen Standpunkt ab, wie man etwas bewertet.

So kann man Aussagen und Handlungen ganz unterschiedlich wertend beschreiben, beispielsweise

  • „auf Gefahren aufmerksam machen“ oder „Ängste schüren“
  • „sorgfältig abwägend“ oder „entscheidungsunfähig“ sein
  • „rhetorisch geschickt“ oder „demagogisch“ sein
  • „aufgeklärt religionskritisch“ oder „rassistisch religionsfeindlich“ sein
  • „vorsichtig zurückhaltend gegenüber Fremden“ oder „fremdenfeindlich“ sein
  • „entschieden gegen Rassismus vorgehen“ oder „Zwietracht sähen und Mitmenschen rücksichtslos diffamieren“
  • „mitfühlend und hilfsbereit“ oder „naiv und verantwortungslos“ sein
  • „ein engagiertes Vorbild“ oder „ein oberflächlicher Schaumschläger“ sein
  • ein „mutiger Abenteurer“ oder ein „gefährlicher Hasardeur“ sein
  • ein „bewundernswerter Mensch“ oder ein „geltungssüchtiger Angeber“ sein
  • „Kriegstreiber“ oder „Kriegsheld“ sein
  • jemanden „beschützen“ oder jemanden „seiner Freiheit berauben“
  • ein „Individualist“ oder ein „verschrobener Einzelgänger“ sein
  • jemanden „befreien“ oder jemanden „der Schutzlosigkeit preisgeben“
  • Menschen „inspirieren“ oder „verführen“

Obwohl die Dinge meistens nicht klar sind, machen sich die meisten Mitmenschen keine Gedanken und übernehmen die Meinung ihrer Umgebung. Sie haben nicht die Zeit oder kein Interesse, die Dinge zu hinterfragen.

Erkenntnis

Auf der einen Seite gibt es die Dinge der äußeren Welt. Auf der anderen Seite die Vorstellungen von den Dingen. Beides existiert und stimmt mehr oder weniger miteinander überein. Menschen können die Welt unterschiedlich oder ähnlich wahrnehmen, haben unterschiedliche Vorstellungen.

Die Vorstellung ist das Ergebnis eines Abgleichs von Eindrücken mit individuellen Vorstellungen und Wünschen. Sie ist das Resultat einer persönlichen Wertung. Sie ist unvollkommen, unvollständig und womöglich verzerrt und unzutreffend.

ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt (Hey, Pippi Langstrumpf)

Zwar gibt es die objektive äußere Welt, jedoch hat jeder Mensch nur einen subjektiven Eindruck, eine subjektive innere Vorstellung davon. Je genauer ein Mensch beobachtet und je unvoreingenommener er wertet, desto genauer stimmen bei ihm äußere Welt und innere Vorstellung überein, was Erfolge wahrscheinlicher macht.

Platon sprach von den Ideen und den nachgeordneten sinnlichen Erscheinungen.

Nach Kant gibt es das Ding an sich und dessen Erscheinung.

Der Mensch kann immer nur seine Vorstellungen ausdrücken und beschreiben, nicht die Welt an sich. Das hat Nietzsche veranlasst, die von Platon postulierten Ideen und die von Kant beschriebenen Dinge an sich für praktisch bedeutungslos zu erklären, denn sie sind nicht greifbar. Für uns Menschen existieren nur die sinnlichen Erscheinungen. Über diese Erscheinungen können wir uns verständigen. Je mehr Menschen in einer Vorstellung übereinstimmen, desto „wahrer“ ist sie.

Die wissenschaftliche Methode zur Erkenntnis der objektiven Welt zeichnet sich dadurch aus, dass jede Anschauung (These, Theorie, Modellvorstellung) beliebig oft von jedermann überprüfbar und nur so lange wahr ist, bis sie widerlegt wurde. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind keine Ansichten, es sind ziemlich exakte Beschreibungen der Wirklichkeit, was durch darauf basierende funktionierende technische Anwendungen hinreichend bewiesen ist. Wissenschaft ist Erkenntnisgewinn. Leider gerät die Naturwissenschaft heute immer mehr unter die Räder wirtschaftlicher Interessen: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Die Strukturwissenschaften, wie die Mathematik, die Informatik, die Kybernetik sind in sich logische Konstrukte, die nützlich sind, die objektive Welt zu beschreiben und zu verstehen. Stimmen die Prämissen, stimmen auch die Folgerungen. Die Wissenschaften liefern sehr nützliche Werkzeuge für Naturwissenschaften und Technik.

Demgegenüber sind die Modelle der Geisteswissenschaften aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge und mangels geeigneter Untersuchungsmethoden und Beweismöglichkeiten oft spekulativ. Seriös sind diejenigen Geisteswissenschaftler, die über naturwissenschaftliches Verständnis verfügen und ihre Theorien und Anschauungen damit in Einklang gebracht haben. Eine gute geisteswissenschaftliche Ausbildung sollte deshalb mit einer naturwissenschaftlichen verbunden sein und darauf aufbauen. Es reicht nicht, wie heute in der Psychologie, Pädagogik und Soziologie üblich, lediglich auf die empirischen Methoden zu setzen, die in den Naturwissenschaften funktionieren. Das führt hier meist nur zu banalen oder falschen Erkenntnissen (unzureichende Validität und Reliabilität, Scheinkausalitäten durch unbekannter Einflüsse).

Die Theologie, die Wirtschaftswissenschaft und die Rechtswissenschaft sind primär normative Wissenschaften, sie legen Regeln fest, die das menschliche Handeln ordnen. Sie sind aber auch Machtinstrumente, denn sie legen die Regeln zum Vorteil bestimmter Gruppen fest. Die Wirtschaftswissenschaften nutzen, wie die Theologie, eine Fülle von wenig intuitiven Begriffsdefinitionen als verschleiernde Fachsprache. Sie wissen über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung so wenig wie die Theologie über das Jenseits. Sie verwenden in ihren Modellen die Mathematik oft nur, um sich einen falschen Schein von Exaktheit zu verleihen.

Die Medizin ist sowohl Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft als auch normative Wissenschaft. Soweit die Naturwissenschaft überwiegt, ist sie durchaus recht erfolgreich, wie bei der Prophylaxe und Behandlung bakteriell verursachter Infektionskrankheiten und in der Unfallchirurgie. Die biologischen Zusammenhänge sind bisher aber nur teilweise und in Ansätzen verstanden, weshalb so manches in der Medizin und der Pharmakologie auf Spekulation sowie Versuch und Irrtum basiert, was man aber ungern sagt. Auch gründen viele Diagnosen und Behandlungen auf Verallgemeinerungen und statistischen Mittelwerten, die den natürlichen Variationen nicht gerecht werden. Ähnlich wie in der Theologie gibt es viel Brimborium und Fragen werden nicht gern gehört. Die vielen unheilbaren Krankheiten sprechen für sich.